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Handwerker-Stundenlohn 2026: Was Gewerke wirklich kosten

Der Stundensatz liegt je nach Gewerk zwischen 45 und 110 Euro netto. Vom Geld landet nur ein kleiner Teil beim Gesellen, der Rest deckt Fahrzeuge, Werkzeug, Büro und Ausfallzeiten.

Die kurze Antwort

Für Privatkunden zahlst du in Deutschland derzeit meist 55 bis 95 Euro netto je Handwerkerstunde, plus 19 Prozent Mehrwertsteuer. Elektro und Sanitär liegen oben, Maler und Trockenbau unten. Dazu kommen Anfahrt und bei Notdiensten Zuschläge. Ein hoher Satz allein sagt nichts über den Endpreis, weil ein schneller Betrieb weniger Stunden braucht.

55 bis 95 Euro

netto je Stunde ist die übliche Spanne für Privatkunden.

30 bis 60 Euro

kostet die Anfahrt als Pauschale. Nach Kilometern gerechnet 0,60 bis 1,20 Euro.

Rund 30 Prozent

des Stundensatzes ist der eigentliche Lohn. Der Rest sind Kosten und Gewinn.

Was kostet die Stunde je Gewerk?

Die Unterschiede kommen aus Ausbildung, Haftung und Ausrüstung. Wer Anlagen abnehmen und dafür geradestehen muss, verlangt mehr.

Alle Werte sind Nettosätze für Privatkunden im Regelbetrieb, ohne Anfahrt, ohne Material und ohne Mehrwertsteuer. Der Meisterstundensatz liegt jeweils am oberen Rand oder darüber.

GewerkGeselle netto je StundeMeister netto je Stunde
Elektro65 bis 95 Euro85 bis 115 Euro
Sanitär, Heizung, Klima65 bis 100 Euro85 bis 120 Euro
Dachdecker60 bis 90 Euro80 bis 110 Euro
Tischler und Schreiner55 bis 85 Euro75 bis 105 Euro
Fliesenleger50 bis 80 Euro70 bis 95 Euro
Maler und Lackierer45 bis 70 Euro60 bis 85 Euro
Trockenbau45 bis 70 Euro60 bis 85 Euro
Maurer50 bis 80 Euro70 bis 100 Euro

Auf den Nettosatz kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer. Aus 70 Euro netto werden also 83,30 Euro brutto. Rechne bei jedem Vergleich in derselben Währung, sonst wirkt ein Bruttoangebot künstlich teuer.

Woraus setzt sich der Satz zusammen?

Viele Kunden rechnen den Stundensatz gegen ihr eigenes Gehalt und finden ihn unverschämt. Der Vergleich hinkt, weil der Betrieb aus diesem Geld alles bezahlt.

So verteilen sich 80 Euro netto in einem typischen Handwerksbetrieb ungefähr:

  • Bruttolohn des Gesellen, rund 25 Euro: Das ist der Betrag, der im Arbeitsvertrag steht.
  • Lohnnebenkosten, rund 8 Euro: Sozialversicherung, Urlaub, Krankheit, Feiertage, Weiterbildung.
  • Fahrzeug und Werkzeug, rund 12 Euro: Transporter, Leasing, Sprit, Maschinen, Prüfungen.
  • Betriebskosten, rund 20 Euro: Werkstatt, Lager, Versicherungen, Software, Buchhaltung, Büro.
  • Unproduktive Zeit, rund 9 Euro: Angebote schreiben, Material holen, Baustellen aufmaßen.
  • Gewinn und Risiko, rund 6 Euro: Der Puffer für Gewährleistung und schlechte Monate.

Von acht bezahlten Arbeitsstunden am Tag sind oft nur fünf bis sechs abrechenbar. Genau diese Lücke steckt im Stundensatz. Ein Betrieb, der spürbar unter dem Marktniveau anbietet, kalkuliert entweder knapp oder holt sich das Geld über Material und Zuschläge zurück.

Was kosten Anfahrt und Zuschläge?

Die Anfahrt wird fast immer berechnet. Üblich ist eine Pauschale von 30 bis 60 Euro oder eine Abrechnung nach Kilometern.

Für Arbeiten außerhalb der Regelzeit gelten Aufschläge auf den Stundensatz. Die folgenden Spannen sind branchenüblich und stehen normalerweise in den Bedingungen des Betriebs.

  • Abends nach 18 Uhr: 25 bis 50 Prozent Aufschlag.
  • Samstag: 25 bis 50 Prozent.
  • Sonn- und Feiertag: 50 bis 100 Prozent.
  • Notdienst nachts: 100 Prozent und mehr, dazu eine Notdienstpauschale von 80 bis 200 Euro.
Vorsicht bei Notdienst-Vermittlern

Hinter vielen Nummern für Rohrreinigung und Schlüsseldienst stecken Callcenter, die den Auftrag weiterreichen. Frag am Telefon nach dem Firmennamen, der Anfahrtspauschale und dem Stundensatz. Nenne der Zentrale ausdrücklich einen Preisrahmen und lass ihn dir zusagen, bevor jemand losfährt.

Wie groß sind die regionalen Unterschiede?

Erheblich. Zwischen einer teuren Großstadt und einem ländlichen Kreis liegen leicht 25 bis 35 Prozent.

Am höchsten sind die Sätze in München, Stuttgart, Frankfurt und Hamburg. Dort treiben Mieten für Werkstatt und Lager sowie hohe Löhne den Preis. In ländlichen Regionen Ostdeutschlands liegen die Sätze am niedrigsten, teils 20 Euro unter dem Bundesschnitt. Der Abstand zwischen Ost und West schrumpft allerdings seit Jahren, weil überall Fachkräfte fehlen.

Ein Betrieb aus dem Umland ist deshalb nicht automatisch günstiger. Rechne die längere Anfahrt gegen den niedrigeren Satz. Bei einem Zweistundenauftrag frisst die Fahrt den Vorteil meist auf, bei einer Woche Arbeit lohnt sich der Blick über die Stadtgrenze.

Stundenlohn oder Festpreis: was ist besser?

Das hängt davon ab, wie gut sich der Aufwand vorher beschreiben lässt.

SituationBesser geeignetWarum
Bad komplett sanierenFestpreisDer Umfang steht fest, das Risiko trägt der Betrieb
Undichte Leitung suchenStundenlohnNiemand weiß vorher, wo der Fehler sitzt
Wände streichenFestpreis je QuadratmeterGut messbar und leicht vergleichbar
Altbau, unklarer UntergrundStundenlohn mit ObergrenzeDer Betrieb kalkuliert sonst einen dicken Risikoaufschlag
Kleine Reparatur unter zwei StundenStundenlohnEin Angebot zu schreiben kostet mehr als die Arbeit

Bei Stundenlohn kannst du eine Obergrenze vereinbaren. Formuliere sie schriftlich: Der Betrieb meldet sich, bevor eine bestimmte Stundenzahl überschritten wird. Das kostet nichts und verhindert die böse Überraschung auf der Rechnung.

Woran erkennst du einen überhöhten Satz?

Nicht am Stundensatz allein, sondern am Verhältnis zur Leistung. Fünf Punkte machen es sichtbar.

  • Der Satz liegt mehr als 30 Prozent über den Vergleichsangeboten, ohne dass es dafür einen erkennbaren Grund gibt.
  • Angefangene Stunden werden voll berechnet, und zwar jede einzeln statt am Tagesende zusammengefasst.
  • Materialbeschaffung wird als Arbeitszeit abgerechnet, inklusive Fahrt zum Großhandel.
  • Auf das Material kommt ein Aufschlag von mehr als 20 Prozent. Zehn bis fünfzehn Prozent sind üblich.
  • Es gibt kein schriftliches Angebot, sondern nur eine mündliche Hausnummer am Telefon.

Hol immer zwei bis drei Angebote ein und vergleich nicht den Stundensatz, sondern die geschätzte Endsumme. Ein Betrieb mit 90 Euro und sechs Stunden ist günstiger als einer mit 65 Euro und zehn Stunden. Denk außerdem an die Steuer: 20 Prozent der Arbeitskosten kannst du als Handwerkerleistung von der Steuerschuld abziehen, wenn du überweist und die Rechnung die Arbeitszeit getrennt ausweist. Höchstbeträge und Bedingungen können sich ändern, prüf sie für dein Steuerjahr.

Häufige Fragen

Zählt die Fahrzeit als Arbeitszeit?
Nur wenn es so vereinbart ist. Üblich ist eine getrennte Anfahrtspauschale. Wird die Fahrt zusätzlich als Stunde berechnet, frag ausdrücklich nach der Grundlage.
Darf der Betrieb angefangene Stunden voll berechnen?
Ja, wenn das vorher vereinbart wurde. Üblicher und fairer ist eine Abrechnung in Viertelstunden. Ohne Absprache gilt die ortsübliche Vergütung.
Muss der Stundensatz im Angebot stehen?
Bei einem Angebot über eine Leistung genügt der Endpreis. Wird nach Aufwand abgerechnet, sollte der Satz schriftlich festgehalten sein. Verlang ihn aktiv.
Wie viel Aufschlag auf Material ist normal?
Zehn bis zwanzig Prozent gelten als üblich. Der Betrieb trägt Einkauf, Lagerung und Gewährleistung. Deutlich höhere Aufschläge solltest du ansprechen.
Lohnt es, Material selbst zu kaufen?
Selten. Du sparst den Aufschlag, verlierst aber die Gewährleistung des Betriebs auf das Material. Bei Fehlkäufen zahlst du die Wartezeit des Handwerkers mit.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Alle Sätze sind Erfahrungswerte für Privatkunden ohne Gewähr · Steuerliche Angaben ersetzen keine Beratung.

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